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Vom Akkupack-Muster zur Serie: Erstmusterprüfung und Abnahmekriterien festlegen

Schnell erklärt: Ein Akkupack-Muster wird für die erste Serie freigegeben, wenn der dokumentierte Aufbau die vereinbarten Anforderungen nachweislich erfüllt und die zuständigen Stellen die Freigabe erteilen. Dazu gehören eindeutige Revisionen, prüfbare Abnahmekriterien, zugeordnete Ergebnisse und bearbeitete Abweichungen. Legen Sie zusätzlich fest, welche Kontrollen bei späteren Lieferungen erfolgen. Ein funktionierendes Einzelmuster allein beschreibt weder den vollständigen Prüfstand noch die freigegebene Serienausführung.

  • Stand festhalten: Pack, Gerät, Zeichnung, Stückliste und relevante Software eindeutig zuordnen.
  • Kriterien vor der Prüfung vereinbaren: Methode, Bedingungen und Bestehensgrenze festlegen.
  • Nachweise zuordnen: Ergebnis, Prüflingskennung und Protokoll müssen zusammengehören.
  • Serie vorbereiten: Freigabeumfang, Lieferprüfung und Änderungsverfahren abstimmen.

Welcher Musterstand wird überhaupt freigegeben?

Die Freigabe muss eine eindeutig beschriebene Ausführung nennen. Erfassen Sie Packreferenz, Musterkennungen, Zellbestückung, Zeichnung und Stückliste mit Revision. Ergänzen Sie Schutzschaltung, relevante Firmware und Parametersätze sowie das verwendete Ladegerät. Zum Geräteversuch gehören außerdem Geräte-Hardware und Softwarestand.

Der WSB-Ratgeber zum OEM-Lastenheft beschreibt, welche Leistung gefordert wird. Bei der Erstmusterprüfung verbinden Sie jede Anforderung mit dem tatsächlich geprüften Aufbau und seinem Nachweis. Notieren Sie auch, wenn ein Muster durch Handarbeit, Bauteile oder Werkzeuge vom geplanten Serienprozess abweicht.

Merksatz: Eine Freigabe gehört zu einem dokumentierten Stand. Eine gleiche Artikelbezeichnung allein belegt nicht, dass spätere Packs unverändert aufgebaut sind.

Ein Herstellerbeispiel liefert die VARTA-CellPac-Broschüre, Abschnitt CellPac PLUS: Sie ordnet Prototypen Tests, Verifikation und Zertifizierung zu und beschreibt anschließend die Serienproduktion. Das ist ein konkreter Entwicklungsablauf, kein allgemeingültiger Prüfplan für jedes OEM-Projekt.

Musterprüfung, Fertigungsprüfung und Wareneingang unterscheiden

Diese Prüfungen beantworten unterschiedliche Fragen. Vereinbaren Sie ihren Umfang im Projekt, statt einen einzigen Funktionstest für alle Aufgaben zu verwenden. Die folgende Tabelle ist eine Arbeitseinteilung für die gemeinsame Planung.

Auf schmalen Bildschirmen können Sie die Tabelle seitlich verschieben.

Prüfaufgaben vor und während der Serienversorgung
Ebene Zentrale Frage Zu vereinbaren
Entwicklung und Erstmuster Erfüllt die dokumentierte Konstruktion die Geräteanforderungen? Prüffälle, Musterzustände, Belastungen, Nachweise und Freigabeentscheidung.
Fertigung Entspricht das gefertigte Produkt dem freigegebenen Stand? Geeignete Prozess- und Endprüfungen, Grenzwerte, Rückverfolgbarkeit und Reaktion auf Fehler.
Wareneingang beim Kunden Ist die Lieferung eindeutig zugeordnet und nach vereinbartem Umfang annehmbar? Identität, Revision, Menge, Dokumente und festgelegte Stichproben-/Funktionsprüfungen.

WSB beschreibt auf seiner Entwicklungsseite Musterbau, Fertigungskontrollen und produktbezogene Prüfprotokolle. Welche Merkmale ein solches Protokoll im konkreten Projekt enthält und wie Sie es erhalten, wird gemeinsam abgestimmt. Ein Fertigungsprotokoll ist kein Nachweis dafür, dass jede Entwicklungs- oder Lebensdauerprüfung an jedem Pack wiederholt wurde.

Wie werden Abnahmekriterien eindeutig prüfbar?

Ein brauchbarer Prüfpunkt verbindet die Anforderung mit einer festgelegten Methode und einer eindeutigen Entscheidung. „Akku funktioniert“ reicht dafür nicht. „Mindestens 180 definierte Messzyklen ohne Reset“ wird erst mit Startzustand, Temperatur, Geräteprofil und Auswerteverfahren vollständig.

  • Prüfbedingungen: Prüflingszustand, Ladezustand, Temperatur, Lastprofil, Messpunkt und angeschlossene Komponenten festhalten.
  • Methode: Prüfanweisung mit Revision, geeignete Messmittel und relevante Aufzeichnungsintervalle benennen; bei Grenzwerten Messunsicherheit und Entscheidungsregel berücksichtigen.
  • Abnahmekriterium: Mindestwert, Höchstwert oder beobachtbare Sollfunktion vor dem Test vereinbaren.
  • Nachweis: Messdaten und Protokoll den Musterkennungen zuordnen; Ergebnis, Datum und prüfende Stelle dokumentieren.

Musterzahl und Prüfverteilung richten sich nach Anforderungen, Risiken, Prüfart und vereinbartem Nachweisumfang. Ein einzelner erfolgreicher Versuch belegt keine bestimmte statistische Zuverlässigkeit. Für Schutz-, Grenz- und Fehlerprüfungen werden geeigneter Prüfaufbau und Fachzuständigkeit gesondert festgelegt.

Ausgefülltes Prüfblatt: neues Packmuster für ein Messgerät

Fiktives Projekt M4, Prüfplan PP-M4/A vom 17.10.2026: Neues geschlossenes Lithium-Ionen-Pack PM4/B für Gerät M4, Hardware B, Firmware 0.9. Angefragt sind fünf Muster; Prüfverteilung und tatsächliche Prüflingskennungen sind noch festzulegen. Alle Dokumentnamen und Zahlen sind Beispielvorgaben. Es liegen keine realen Messergebnisse oder Freigaben vor.

Der Beispielzyklus LP-M4/A dauert 60 Sekunden: 10 Sekunden Messung, danach 50 Sekunden Bereitschaft; Anzeige eingeschaltet, Funk ausgeschaltet. Die Laufzeitvorgabe von 180 Minuten entspricht 180 vollständigen Zyklen. Elektrisches Lastprofil und Messprogramm müssen vor dem Test mit ihren Versionen verbindlich zugeordnet sein.

Auf schmalen Bildschirmen können Sie die Tabelle seitlich verschieben.

PP-M4/A: Prüfpunkte mit konkreten Vorgaben und offenen Nachweisen
Prüfpunkt / Bezug Methode und Bedingungen Abnahmekriterium Nachweis / Verantwortung / Status
Identität · K-M4/B Musterkennungen, Zellbestückung, Packzeichnung, Stückliste und Software-/Parameterstände mit Konfigurationsliste K-M4/B abgleichen. Alle freigegebenen Referenzen stimmen überein; jede Abweichung ist erfasst. Abgleichprotokoll fehlt; Packentwicklung mit Qualität; offen.
Einbau · Z-M4/B Vollständigen geschlossenen Pack vermessen und im vorgesehenen Gerät einschließlich Befestigung und Leitung einbauen. Beispielgrenze 145 × 85 × 35 mm; Anschlussfreiraum nach Zeichnung; keine eingeklemmte Leitung. Mess-/Einbaubericht fehlt; Mechanikentwicklung; offen.
Schnittstelle · S-M4/B Stecker, Polung und Kontaktfunktionen anhand der Zeichnung und spezifizierten Auswertung prüfen. Zuordnung entspricht S-M4/B; vorgesehene Erkennung und Verriegelung funktionieren. Prüfbericht fehlt; Geräte-/Packentwicklung; offen.
Laufzeit · LP-M4/A Neues Muster nach abgestimmtem Ladeprofil vollständig laden; bei +23 ±2 °C im beschriebenen Gerätezyklus prüfen. Mindestens 180 vollständige Zyklen in 180 min ohne Reset oder Datenverlust. Ladeprofil und elektrische Lastdaten ergänzen; Geräteentwicklung; Prüfung offen.
Ladung · LA-M4/A Vorgesehenen Lader und Temperaturauswertung am vollständigen System prüfen; Start-/Endzustand eindeutig festlegen. Strom-, Spannungs-, Temperatur- und Zeitgrenzen entsprechen den noch zu bestätigenden Zell-/Packspezifikationen. Kriterien noch unvollständig; Lade-/Packentwicklung; vor Test zu schließen.
Lastwechsel und Temperatur · PP-M4/A Relevante Lastwechsel aufzeichnen; Messpunkte und ungünstige Einbaubedingungen aus dem Geräteprofil ableiten. Gerätefunktion bleibt erhalten; Spannungs- und Temperaturgrenzen gemäß zugeordneten Spezifikationen eingehalten. Grenzwerte, Messpunkte und Bedingungen ergänzen; Systementwicklung; offen.
Serienunterlagen · D-M4/A Zeichnung, Stückliste, Prüfplan und projektspezifisch erforderliche Nachweise mit dem geplanten Lieferstand vergleichen. Dokumente decken PM4/B ab; offene Anforderungen und Lieferkontrollen sind geklärt. Dokumentenliste und Bewertung fehlen; Qualität mit Einkauf; offen.

Das Blatt ist ausgefüllt, obwohl Ergebnisse offen sind: Es zeigt die vereinbarten Beispielziele, Zuständigkeiten und fehlenden Festlegungen. Die 180-Zyklen-Prüfung deckt nur den beschriebenen Fall ab. Weitere Einsatztemperaturen, Alterung, Schutzfunktionen und anwendungsbezogene Prüfungen werden im vollständigen Projektprüfplan berücksichtigt.

Freigabevermerk zum Beispiel: Entscheidung: noch nicht freigegeben. Für PM4/B fehlen Prüfergebnisse und vollständig abgestimmte Grenzwerte. Die Erstserienbestellung wird erst nach dokumentierter Entscheidung der benannten Verantwortlichen ausgelöst. Dies ist eine redaktionelle Arbeitshilfe, kein offizielles WSB-Prüfformular.

Was passiert, wenn ein Muster ein Kriterium nicht erfüllt?

Erfassen Sie Sollwert, beobachtete Abweichung, betroffene Muster und Protokollstelle. Danach werden Ursache, Auswirkung und Maßnahme bewertet. Trennen Sie dabei ein fehlendes Dokument, eine ungeeignete Prüfmethode und eine tatsächliche Produktabweichung.

Die zuständigen Stellen legen fest, welche Punkte nachzuprüfen sind und welche weiteren Funktionen von der Änderung betroffen sein können. Eine Freigabe mit Auflagen braucht einen klar begrenzten Umfang, Verantwortliche und Erledigungstermine. Sie ersetzt keine zwingend erforderlichen Nachweise.

Merksatz: „Prüfung durchgeführt“ ist nicht gleich „Prüfung bestanden“. Und ein bestandenes Einzelkriterium ist noch keine Freigabe des gesamten Serienstands.

Welche Angaben gehören in die Serienfreigabe?

Benennen Sie im Freigabevermerk die freigegebene Konfiguration, zugehörige Nachweise, Entscheidung, Verantwortliche und gegebenenfalls Auflagen. Ergänzen Sie den vorgesehenen Erstlieferumfang und die für den Lieferstart geltenden Bedingungen. Dokumentieren Sie, welcher Stand gefertigt und welcher Stand vom Kunden eingesetzt werden darf.

  • Fertigung: gültige Zeichnung, Stückliste, Arbeits-/Prüfanweisungen und relevante Parametersätze.
  • Lieferung: eindeutige Artikel-/Revisionszuordnung, Kennzeichnung, vereinbarte Prüfdokumente und Rückverfolgbarkeit.
  • Wareneingang: konkrete Prüfmerkmale, vereinbarter Umfang und Vorgehen bei Abweichungen.
  • Änderungen: Meldeweg, Bewertungsverantwortung und Entscheidung über erneute Prüfungen vor Umsetzung.

Bei geänderter Zelle, Elektronik, Firmware oder Fertigung bewerten Sie die Auswirkungen auf die bestehende Freigabe. Wie ein Zellwechsel in einer laufenden Serie bearbeitet wird, erläutert der WSB-Beitrag Zellabkündigung und Zweitquellen im OEM-Akkupack.

Welche Rolle spielen ISO 9001 und Produktnachweise?

ISO 9001 betrifft das Qualitätsmanagementsystem. Eine entsprechende Zertifizierung ist keine individuelle Produktzulassung des Akkupacks. ISO erläutert die Unterscheidung zwischen Managementsystem und zertifiziertem Produkt.

Ordnen Sie deshalb Geräteabnahme, Fertigungsprüfungen sowie transport- und produktspezifische Nachweise nach ihrem jeweiligen Zweck zu. Der Prüfplan legt fest, welche Unterlagen für das konkrete Projekt erforderlich sind und welche Ausführung sie abdecken. Für die Dokumentzuordnung bei Lithium-Packs hilft der WSB-Ratgeber zur UN-38.3-Prüfzusammenfassung.

Häufige Fragen zur Akkupack-Erstmusterprüfung

Wie viele Muster sind für eine Freigabe nötig?

Dafür gibt es keine für alle Projekte passende Zahl. Prüfarten, Risiken, erforderliche Nachweise und mögliche Veränderungen durch Prüfungen bestimmen Musterzahl und Verteilung. Vereinbaren Sie diese vor der Musterbestellung.

Kann ein Referenzmuster Zeichnung und Stückliste ersetzen?

Ein aufbewahrtes Referenzmuster kann den Vergleich unterstützen. Für eine eindeutige Serienausführung brauchen Sie zusätzlich die gültigen Spezifikationen, Revisionen und Nachweise.

Reicht ein bestandener Laufzeittest für die erste Serie?

Der Laufzeittest belegt den geprüften Betriebsfall. Mechanik, Schnittstellen, Laden, Temperaturen, Schutzfunktionen und weitere Projektanforderungen benötigen die jeweils vorgesehenen Nachweise.

Muss jede Änderung den gesamten Prüfplan erneut durchlaufen?

Die Auswirkungen der Änderung bestimmen den erneuten Prüfbedarf. Dokumentieren Sie die Bewertung, betroffene Anforderungen und Entscheidung; eine unveränderte Artikelnummer ersetzt diese Bewertung nicht.

Muster und Abnahmekriterien mit WSB abstimmen

Senden Sie Geräteanforderungen, Muster-/Packrevision, Zeichnung, Stückliste und vorhandenen Prüfplan. Ergänzen Sie geforderte Nachweise, zuständige Ansprechpartner, Musterbedarf und erste Serienmenge. Kennzeichnen Sie fehlende Grenzwerte und offene Entscheidungen ausdrücklich.

WSB beschreibt unter Design und Entwicklung den Weg von der Idee über den Musterbau bis zur Fertigung. Den Überblick bietet der Beitrag OEM-Akkus für Gerätehersteller. Ob eine vorhandene Ausführung passt, lässt sich anhand ihrer Unterlagen prüfen; Einstiege bieten Lithium-Ionen-Akkupacks und NiMH-Akkupacks.

Steht Ihre erste Serie an? Übermitteln Sie den dokumentierten Musterstand und Ihre Abnahmekriterien. So lassen sich Prüfbedarf, Verantwortlichkeiten und Serienübergabe gezielt besprechen.

Muster und Abnahmekriterien für Ihr OEM-Projekt abstimmen
2026-10-22 11:50:00 / WSB Blog / Kommentare 0

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