WSB Battery Technology · Fachwissen für Gerätehersteller
Austauschbarkeit beginnt in der Produktentwicklung: Planen Sie Akku, Gehäuse, Anschlüsse und Ersatzteilversorgung als zusammenhängendes System.
Stand: 08.10.2026 · Geltungsbereich: Europäische Union
Sie entwickeln ein mobiles Gerät, planen eine neue Serie oder überarbeiten ein bestehendes Produkt? Dann gehört die Austauschbarkeit des Akkus früh ins Lastenheft. Eine passende Spannung und genügend Kapazität lösen nur einen Teil der Aufgabe. Auch der sichere Wechsel und die spätere Versorgung mit Ersatzakkus müssen zum Gerätekonzept passen.
Dieser Ratgeber hilft Ihnen, die richtigen Fragen zu stellen und technische Entscheidungen vorzubereiten. Grundlage sind die Verordnung (EU) 2023/1542 und die Leitlinien der EU-Kommission vom Juli 2026. Die Leitlinien unterstützen die Auslegung; sie sind selbst kein verbindlicher Gesetzestext.
Die wichtigsten Punkte für Ihr Projekt
- Die Batteriekategorie ergibt sich aus den gesetzlichen Kriterien, nicht allein aus dem Vertriebsweg oder der Bezeichnung „Industrieakku“.
- Bei Gerätebatterien betrifft der Wechsel grundsätzlich die vollständige Batterieeinheit.
- Ein abnehmbarer Deckel genügt nicht, wenn Akku, Stecker oder Software den anschließenden Ersatz verhindern.
- Ausnahmen müssen zur tatsächlichen Anwendung passen und nachvollziehbar begründet werden.
- Ersatzakkus, Wechselanleitung und Lieferkonzept gehören ebenso zur Planung wie das erste Serienmuster.
In diesem Ratgeber
Welche Batteriekategorie fällt unter die Austauschvorgaben?
Artikel 11 behandelt Gerätebatterien und Batterien für leichte Verkehrsmittel, kurz LV-Batterien. Die EU-Batterieverordnung erfasst weitere Kategorien, aber deren Anforderungen sind nicht pauschal mit der Endnutzer-Austauschbarkeit von Gerätebatterien gleichzusetzen.
Eine Gerätebatterie ist nach Artikel 3 unter anderem gekapselt, wiegt höchstens 5 kg und ist nicht speziell für industrielle Verwendung ausgelegt. Sie gehört außerdem nicht zur Kategorie der Elektrofahrzeug-, LV- oder Starterbatterien. Die Definition umfasst sowohl wiederaufladbare Akkus als auch nicht wiederaufladbare Batterien.
Auf kleinen Bildschirmen können Sie die Tabelle seitlich scrollen.
| Kategorie | Entscheidende Einordnung | Bedeutung für den Wechsel |
|---|---|---|
| Gerätebatterie | Gekapselt, höchstens 5 kg, nicht speziell industriell ausgelegt; andere definierte Kategorien ausgeschlossen. | Grundsätzlich Wechsel durch Endnutzer; anwendungsbezogene Ausnahmen prüfen. |
| Industriebatterie | Insbesondere speziell für industrielle Zwecke ausgelegt; weitere gesetzliche Fälle beachten. | Die Gerätebatterie-Regel ist nicht automatisch übertragbar. Andere Produktanforderungen bleiben relevant. |
| LV-Batterie | Eigenständige Kategorie für bestimmte leichte Verkehrsmittel. | Artikel 11 sieht Austausch durch unabhängige Fachleute vor, auch auf Zellebene. |
| Smartphone-/Tablet-Akku | Batteriekategorie und produktspezifische Ökodesign-Regeln gemeinsam prüfen. | Zusätzlich gelten spezifische Vorgaben der Verordnung (EU) 2023/1670. |
Rechtsgrundlage: Artikel 3 und 11 der EU-Batterieverordnung.
Was bedeutet „entnehmbar und austauschbar“ technisch?
Die Batterie muss sich sicher entfernen und durch eine geeignete Batterie ersetzen lassen, damit das Gerät weiter bestimmungsgemäß funktioniert. Für das Grundprinzip bei Gerätebatterien ist keine Ausbildung zum Akkutechniker vorgesehen.
Artikel 11 nennt handelsübliches Werkzeug. Erforderliche Spezialwerkzeuge sind nur unter der dort vorgesehenen Bedingung einer kostenlosen Beigabe zulässig. Proprietäre Werkzeuge, Wärme oder Lösungsmittel dürfen für die vorgesehene Entnahme nicht erforderlich sein. Ein nur durch Erhitzen zugänglicher verklebter Akku ist deshalb ein wichtiger Prüfpunkt in der Konstruktion.
Der gesamte Geräteakku ist die vorgesehene Wechseleinheit
Bei Gerätebatterien bezieht sich die Endnutzer-Anforderung auf die vollständige Batterie, nicht auf das Öffnen eines Packs und den Austausch einzelner Zellen. Planen Sie beispielsweise einen geschlossenen Akkupack mit erreichbarer Befestigung und eindeutigem Anschluss. Bei LV-Batterien gelten abweichende Vorgaben für unabhängige Fachleute.
Ein gleicher Stecker ist noch kein Kompatibilitätsnachweis
Prüfen Sie Spannung und Spannungsgrenzen, Zellchemie, Dauer- und Spitzenstrom, Temperaturbereich, Bauraum, Kontaktbelegung und Ladeverfahren. Bei intelligenten Akkus kommen Kommunikation und Schutzfunktionen hinzu. Eine größere Ah-Angabe allein macht einen Ersatzakku weder kompatibel noch für das Gerät geeignet.
Passende Komponenten finden Sie bei WSB unter Industriezellen. Die Kategoriebezeichnung ersetzt allerdings nicht die rechtliche Einstufung des daraus entwickelten Akkupacks.
Welche Ausnahmen müssen Gerätehersteller prüfen?
Eine Ausnahme muss sich aus der konkreten Anwendung und der einschlägigen Regelung ergeben. Die Aussagen „wasserdicht“, „medizinisch“ oder „nur für Gewerbe“ reichen dafür allein nicht.
Austausch durch unabhängige Fachleute
Artikel 11 Absatz 2 erfasst unter anderem bestimmte für Nassumgebungen ausgelegte, wasch- oder abspülbare Geräte sowie professionelle medizinische Bildgebungs- und Strahlentherapiegeräte und In-vitro-Diagnostika. Die jeweiligen Voraussetzungen müssen erfüllt sein. Die Ausnahme bedeutet nicht automatisch, dass die Batterie gar nicht austauschbar sein muss.
Kontinuierliche Versorgung und Datenintegrität
Absatz 3 enthält eine weitere Ausnahme, wenn eine kontinuierliche Stromversorgung und eine dauerhafte Verbindung für die Sicherheit von Nutzer und Gerät oder unter den dort genannten Bedingungen für die Datenintegrität erforderlich sind. Dass ein Gerät gelegentlich Daten speichert, begründet noch keine pauschale Ausnahme. Halten Sie die anwendungsbezogene Begründung fest.
Quellen: Artikel 11 Absatz 2 und 3, Verfahrensstand C(2026)5031 und Mitteilung der EU-Kommission.
Ersatzakku, Anleitung und Software gehören zum Konzept
Die Austauschbarkeit endet nicht beim mechanischen Ausbau. Nach Artikel 11 Absatz 7 müssen Geräte- und LV-Batterien als Ersatzteile mindestens fünf Jahre nach dem Inverkehrbringen der letzten Einheit des jeweiligen Gerätemodells verfügbar sein – zu angemessenen, nichtdiskriminierenden Preisen für Endnutzer und unabhängige Fachleute.
Für den Einkauf ergibt sich daraus eine praktische Aufgabe: Klären Sie den Bedarf nach Serienende, Änderungsstände und die Verfügbarkeit kritischer Komponenten. Denken Sie auch an Befestigungen und Dichtungen, die bei einem Wechsel gegebenenfalls erneuert werden müssen. Aus der Regel folgt kein pauschales WSB-Lieferversprechen; den konkreten Versorgungsplan stimmen Sie projektbezogen ab.
Nach Absatz 8 darf Software den Ersatz durch eine kompatible Batterie nicht behindern. Schutzfunktionen und notwendige Kommunikation bleiben Teil einer sicheren Auslegung. Eine technische Sicherheitsprüfung und eine künstliche Sperre für passende Ersatzakkus sind deshalb sorgfältig auseinanderzuhalten.
Planen Sie verständliche Wechsel- und Sicherheitsinformationen. Die Vorgaben zur Anleitung und deren dauerhafter Online-Verfügbarkeit gehören in Ihre Dokumentationsprüfung. Für das Ladekonzept bietet WSB Ladetechnik für unterschiedliche Akkuchemien.
Rechtsgrundlage: Artikel 11 Absatz 1, 7 und 8. Produktspezifische Regeln können weitergehende Pflichten enthalten.
Checkliste: Diese Entscheidungen gehören ins Lastenheft
Arbeiten Sie die folgende Reihenfolge gemeinsam mit Entwicklung, Einkauf und Ihrer zuständigen Stelle für Produktkonformität durch. Die Punkte sind eine Planungshilfe; das konkrete Produkt bestimmt den Prüf- und Nachweisumfang.
- Produkt und Batterie einordnen. Zweckbestimmung, Gewicht, Batteriekategorie, Zielmarkt und geplantes Inverkehrbringen dokumentieren. Spezifische Produktvorschriften ergänzen.
- Wechselperson und Ausnahme klären. Endnutzer oder unabhängige Fachleute? Eine beanspruchte Ausnahme mit konkreten Voraussetzungen belegen.
- Wechseleinheit festlegen. Geschlossener Akkupack, Befestigung, Zugang, Steckverbindung, Dichtung und nötige Werkzeuge gemeinsam planen.
- Elektrische Schnittstelle beschreiben. Spannungsbereich, Chemie, Strom, Ladung, Temperaturüberwachung, Pinbelegung und gegebenenfalls Kommunikation festhalten.
- Wechsel am Muster prüfen. Einen vollständigen Entnahme- und Einsetzvorgang durch die vorgesehene Nutzergruppe prüfen. Danach Funktion und Sicherheit beurteilen.
- Dokumentation erstellen. Wechselanleitung, Sicherheitsinformationen, Ersatzteilkennzeichnung und relevante Kompatibilitätsdaten aufeinander abstimmen.
- Versorgung nach Serienende organisieren. Zuständigkeit, Bedarf, Versionsmanagement und Umgang mit Bauteiländerungen festlegen.
Planungsbeispiel: ein mobiles Messgerät mit geschlossenem Akkupack
Ein Hersteller plant ein mobiles Messgerät mit einem 300 g schweren, gekapselten Akkupack. Für dieses fiktive Beispiel wird angenommen, dass die Batterie nicht speziell für industrielle Verwendung ausgelegt ist, keine andere Batteriekategorie vorliegt und keine Ausnahme greift. In einem realen Projekt muss diese Einordnung zuerst bestätigt werden.
Das anfängliche Konzept sieht einen fest verklebten Pack mit kurzen Anschlussleitungen vor. Die Energieversorgung kann damit elektrisch funktionieren, während der vorgesehene Wechsel problematisch bleibt. Die Entwicklung prüft deshalb einen zugänglichen Batteriebereich, eine lösbare Befestigung und einen gegen Verpolung geeigneten Anschluss.
Anschließend wird am Muster geprüft, ob die vorgesehene Nutzergruppe den vollständigen Pack nach Anleitung wechseln kann und das Gerät danach bestimmungsgemäß arbeitet. Parallel legt der Einkauf fest, wie der Ersatzpack anhand einer eindeutigen Referenz bestellt wird und welche Änderungen an Zellen, Schutzschaltung oder Gehäuse erneut bewertet werden müssen.
Für die technische Anfrage an WSB helfen Anwendung, Nenn- und Arbeitsspannung, gewünschte Laufzeit, Dauer- und Spitzenstrom, Bauraum, Anschluss, Temperaturbereich sowie geplante Jahresmenge. Einen Überblick über die Zusammenarbeit bietet der Ratgeber OEM-Akkus für Gerätehersteller.
Häufige Fragen zur Akku-Austauschbarkeit ab 2027
Müssen bereits verkaufte Geräte nachgerüstet werden?
Artikel 11 begründet keine pauschale Nachrüstpflicht für alle bereits in Verkehr gebrachten Geräte. Bei Ihrem Sortiment müssen Sie jedoch das Inverkehrbringen der konkreten Produkte von deren späterer Bereitstellung unterscheiden. Das Datum der Modellvorstellung allein entscheidet die Frage nicht.
Gilt das auch für nicht wiederaufladbare Gerätebatterien?
Ja, die Kategorie Gerätebatterie ist nicht auf Akkus beschränkt. Auch Primärbatterien können darunterfallen. Maßgeblich sind die Kategorie und die konkrete Anwendung.
Ist ein wasserdichtes Gehäuse automatisch ausgenommen?
Nein. Eine IP-Angabe allein ersetzt die Prüfung der Voraussetzungen nicht. Entscheidend sind die vorgesehene Nutzung und die einschlägige Ausnahme einschließlich der notwendigen Sicherheitsbegründung.
Kann ein Ersatzakku mehr Kapazität haben?
Das kann technisch möglich sein, wenn der gesamte Ersatz zur Anwendung passt. Prüfen Sie unter anderem Spannung, Chemie, Belastbarkeit, Bauraum, Ladetechnik und gegebenenfalls Kommunikation. Die Kapazitätsangabe allein genügt nicht.
Gilt für Smartphones dieselbe einfache 2027-Regel?
Für Smartphones und bestimmte Tablets sind zusätzlich die produktspezifischen Regeln der Verordnung (EU) 2023/1670 zu prüfen. Die Kommissionsleitlinien erläutern deren Verhältnis zur Batterieverordnung. Pauschale Aussagen zur gleichen Wechselperson oder zur gleichen Ersatzteilfrist sind deshalb ungeeignet.
Bietet WSB dafür einen Zellentausch in gebrauchten Lithium-Akkupacks an?
WSB entwickelt neue kundenspezifische Akkulösungen und bietet geeignete neue Ersatzakkus an. Reparatur, Öffnung, Neubestückung und Zellentausch gebrauchter Lithium-Ionen-Akkupacks gehören nicht zum Angebot. Die Hintergründe finden Sie unter Warum WSB keine gebrauchten Lithium-Akkupacks repariert.
Planen Sie die passende Akkulösung für Ihr Gerät
WSB Battery Technology unterstützt Gerätehersteller bei der technischen Auswahl und Entwicklung kundenspezifischer Akkupacks. Beschreiben Sie Ihre Anwendung, das Wechselkonzept und die wichtigsten elektrischen und mechanischen Anforderungen.
Mehr über die technische Zusammenarbeit erfahren Sie unter Design und Entwicklung bei WSB.
Akkuprojekt mit WSB besprechenDie technische Projektabstimmung ergänzt die produktbezogene Konformitätsprüfung des Geräteherstellers. Welche Anforderungen und Ausnahmen im Einzelfall gelten, muss anhand des konkreten Produkts und des aktuellen Rechtsstands beurteilt werden.
Weiterführende Primärquellen: EU-Batterieverordnung · Kommissionsleitlinien zur Austauschbarkeit · Ökodesign für Smartphones und Tablets.
